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Sex bei Blasenschwäche – Tabus brechen

 

Uups-Momente, Blasenschwäche, ungewollter Harnverlust oder Harninkontinenz. Egal, wie das Tabuthema genannt wird. Es beeinträchtigt Betroffene nicht nur im alltäglichen Leben, sondern kann auch negativen Einfluss auf das Sexualleben haben. Inwieweit Frauen ihr Verhalten beim Sex ändern, wenn sie an einer Blasenschwäche leiden, haben wir erst kürzlich im Rahmen einer Umfrage wissen wollen. Demnach fürchtet jede dritte Frau, die unter einer starken Belastungsinkontinenz leidet, dass der Partner die Lust am Sex verliert. Auch der Kontrollverlust spielt eine wichtige Rolle: So verzichten viele Frauen ganz auf ihr Liebesleben, weil sie Angst haben, währenddessen unkontrolliert Harn zu verlieren.

Interview mit der Partnerschafts- und Sexualtherapeutin Beatrice Poschenrieder

Wir wollten es mit dem Thema „Sex bei Blasenschwäche“ nicht einfach bei der Umfrage belassen und haben Beatrice Poschenrieder eine ganze Menge Fragen gestellt, die sie uns ausführlich beantwortet hat. Sie ist nämlich eine erfahrene Beraterin und Therapeutin für Partnerschaft und Sexualität.

  1. Warum ist ein starker Beckenboden so wichtig für das sexuelle Lustempfinden?

 Ist die Beckenbodenmuskulatur zu schwach, kann das nicht nur Blasenschwäche mit sich bringen, die ja per se den Paar-Sex stören kann (dazu später). Sie kann auch zu Orgasmusproblemen (bis hin zum Ausbleiben des Orgasmus bei Mann und Frau) sowie Erektionsstörungen und Potenzschwäche führen. Viele Betroffene haben sogar zum Teil das Gefühl, dass sich dieser Bereich „taub“ anfühlt. Sprich, sie haben zu wenig Kontrolle und zu wenig Empfindungen.

Der Beckenboden besteht aus drei ineinandergreifenden Lagen einer flachen Muskulatur, die vor allem die darüber liegenden Organe stützt und an ihrem Platz hält; zudem bildet eine Lage dieser Muskeln von der Form her eine Acht.

Beim Mann gibt es je einen Schließmuskel um den Anus und um die Peniswurzel. Bei der Frau gibt es eine dreifache Acht: je ein Muskelring für den Harnröhren- und Anus-Ausgang und für den Scheideneingang. Während der Anus durch einen doppelten Schließmuskel und durch abdichtendes Hämorrhoidalgewebe gut abgesichert ist, kann es bei der Harnröhre und der Scheide durch einen schwachen Beckenboden schneller passieren, dass sie nicht mehr richtig schließen. Männern hilft die Beckenbodenmuskulatur, bei der Erektion das Blut im Penis zu halten.

Generell gesagt, haben Frauen und Männer mit einem schwachen Beckenboden zu wenig Lebendigkeit in ihren Sexualorganen.

 

  1. Orgasmusprobleme bei Frau UND Mann können also mit einem schwachen Beckenboden zusammenhängen?

Ganz genau. Abgesehen davon, dass es schwierig ist, die Gipfelfahrt anzutreten, wenn etwas von den vorgenannten Problemen die Lust oder den Sex beeinträchtigt. Beim Orgasmus sind Kontraktionen der Beckenbodenmuskulatur beteiligt. Ist diese aber zu schwach, kann es lange dauern, zum Höhepunkt zu kommen. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass der Orgasmus nur sehr leicht ist oder ganz ausbleibt. Dies betrifft nicht nur Frauen, sondern auch Männer.

Sie können sich das ein bisschen so vorstellen, als ob der Beckenboden ein bewegliches, dynamisches Sprungbrett zum Gipfel ist. Ist das Sprungbrett starr (Muskelverkrampfung), katapultiert es einen ebenso wenig nach oben, als wenn es schlaff ist und nach unten hängt. Mehr Infos hierzu bieten mein Orgasmus-Ratgeber „Stöhnst du noch oder kommst du schon“ sowie meine Youtube-Videos hierzu.

 

  1. Sie erwähnten auch die Potenz…

Ja, denn auch wie lange ein Mann beim Sex durchhält und ob er die Erektion aufrechterhalten kann, hängt zu einem beträchtlichen Teil von der Beckenbodenmuskulatur ab. Ist sie gut trainiert und weiß der Mann auch damit umzugehen, kann er erstens seine Erektion fördern und Störungen entgegenwirken, zweitens kann er den Zeitpunkt seines Kommens ziemlich genau steuern, egal ob das in zwei Minuten oder in einer Dreiviertelstunde ist.

Männer mit Erektionsproblemen haben sehr häufig entweder eine unterentwickelte oder eine chronisch verspannte Beckenbodenmuskulatur. In jedem Fall ist es gut, ein Gespür für diese Muskeln zu entwickeln, um zu merken, wann sie entspannt oder angespannt sind. Wie schon angedeutet, haben viele Menschen keinen richtigen „Zugang bzw. kein liebevolles Verhältnis“ zu ihrem Unterleib und ihren Sexualorganen. (Nähere Erläuterung hierzu und eine gute Übung liefert mein Buch „Sexbewusstsein“.)

 

 

  1. Wie ist das mit der „zu weiten Scheide“?

Ist der Beckenboden schwach, ist es meist auch der Muskelring am Eingang der Scheide. Bei einer gesunden, lebendigen Vagina hat er immer einen gewissen Tonus (Mit „Tonus“ ist in diesem Fall die vom zentralen Nervensystem als nicht willentlich gesteuerte Eigenspannung von Muskeln gemeint, der sie auch verschlossen hält gegen Eindringlinge (z.B. Keime)). Durch Geburt oder Bewegungsarmut kann dieser Tonus stark nachlassen. Dann fühlt sich die Scheide für den Mann zu weit an, d.h., wenn er eindringt und stößt, hat er zu wenig Reibungswiderstand. Die Folge: Beide spüren beim Verkehr zu wenig, und der Orgasmus wird schwierig.

Hat eine Frau hingegen eine gute Scheidenmuskulatur, kann sie damit spielen, den Mann reizen, sein Kommen beschleunigen und natürlich auch ihre eigenen Genital-Empfindungen steigern. Sie kann lockerlassen und die Reibung herabsetzen, oder sie kann anspannen und die Reibung für beide erhöhen (eine ausführlichere Beschreibung dazu gibt es in meinem Buch „Sex für Faule und Gestresste“).

 

  1. Kommen wir explizit zur Blasenschwäche: Welchen Einfluss kann diese auf das Sexualleben von Betroffenen haben?

Nehmen wir mal an, es handelt sich um eine Frau. Sie merkt ja auch im Alltag, dass sie zum Teil zu wenig Kontrolle über den Verlust von Harn hat – egal, ob es eine Belastungs- oder Dranginkontinenz ist. Dies führt meistens zu Hemmungen beim Sex, weil die Frau dann befürchtet, dass sie während des Aktes ungewollt Harn verliert. Selbst das Verlieren weniger Tropfen ist für manche Frauen schon sehr beschämend – zumal sie ja auch nicht wissen, ob beispielsweise durch stärkere Stöße des Partners oder durch den eigenen Orgasmus der ungewollte Harnverlust nicht noch schlimmer wird. Im Großen und Ganzen hat sie also Angst vor Kontrollverlust und davor, dass der Akt in eine peinliche Katastrophe ausartet – und natürlich auch davor, dass der Partner die Lust auf sie verliert oder andere negative Gefühle ihr gegenüber hegen könnte.

Sehr häufig führt dies zu einem Vermeidungsverhalten, denn viele Frauen wissen nicht, dass Blasenschwäche behandelbar ist, und verheimlichen diese. Oft sogar vor dem eigenen Partner. Aber selbst wenn offen mit dem Partner darüber gesprochen wird, gibt es Frauen, denen das Gesamtproblem die Lust verdirbt. Oder wie es eine Ratsuchende ausdrückte: „Wie soll ich denn in Erregung kommen, wenn ich die ganze Zeit das Gefühl habe, dass ich mal muss?“

 

 

  1. Was raten Sie Menschen, die Sex aufgrund ihrer Blasenschwäche vermeiden?

Sex zu meiden, ist natürlich die schlechteste Lösung. Zumal dann sehr oft auch alles gemieden wird, was zu Sex führen könnte –  also Zärtlichkeiten, Hautkontakt etc.. Das ist sehr schade, denn gemeinsame Sexualität und körperliche Nähe haben eine starke bindende Kraft für ein Paar. Fallen diese weg, fühlt sich der andere nicht nur frustriert, sondern häufig auch ungeliebt und abgelehnt. Folglich kommt es zu Spannungen, Aggressionen, Streit, Vorwürfen, Schuldgefühlen, innerem Rückzug und dergleichen. Hält die Sexflaute länger an, besteht zusätzlich das Risiko, dass der frustrierte Partner fremdgeht. Dass das alles eine erhebliche Gefahr für eine Paarbeziehung darstellt, ist offensichtlich.

Ebenso klar sind auch die Schritte, die Betroffene gehen müssen:

  1. So zügig wie möglich die Blasenschwäche beheben,
  2. offen mit dem Partner sprechen und ihm versichern, dass man das Problem angeht.

Für die Übergangszeit kann man sich auf andere Formen der körperlichen Nähe einigen. Beispielsweise Zärtlichkeiten, nackt kuscheln oder Petting. Geschlechtsverkehr erst mal nicht oder wenn nur sanft und langsam. Die Frau sollte es klar sagen, falls sie keinen Orgasmus und keinen Oralsex möchte.

 

  1. Frauen fällt es oft schwer, offen mit ihrem Partner über ihre Blasenschwäche zu sprechen. Eine fehlende Kommunikation macht die Situation oft noch schwieriger. Was würden Sie empfehlen?

Mit sehr gezieltem Beckenbodentraining (d.h., es muss dreimal täglich sehr korrekt ausgeführt werden) oder mit dem INNOVO Trainingsgerät können die meisten Frauen ihre Blasenschwäche schon innerhalb von wenigen Monaten beheben oder so weit verringern, dass die meisten Formen von Sex wieder unbeschwert möglich sind.

Entweder spricht die Betroffene es direkt an oder findet Wege, wie sie es ihrem Partner mitteilen kann, ohne vor Scham in den Boden zu versinken. Beispielsweise in Form eines Briefes. Zudem kann sie erklären, dass Harninkontinenz kein typisches Problem von „älteren Menschen“ ist, sondern dass sehr viele Frauen davon betroffen sind. Gründe hierfür können Schwangerschaft und Geburt, die Menopause und auch Sport sein.

Ich empfehle, beides parallel zu machen: Es dem Partner auf irgendeine Weise mitteilen und gleichzeitig Maßnahmen gegen die Blasenschwäche zu ergreifen. Denn die Maßnahmen vor ihm verheimlichen zu müssen, erschwert die Umsetzung sonst auch schon wieder.

 

 

  1. Durch das Training des Beckenbodens kann Blasenschwäche effektiv behandelt werden. Welche Vorteile sehen Sie bei der Anwendung der Innovotherapie?

Viele Menschen haben einen von früh bis spät durchgetakteten Alltag. Sie versuchen, wenigstens ein- bis zweimal täglich das klassische Beckenbodentraining zu machen. Aber meistens scheint etwas anderes gerade wichtiger zu sein. Und schwupp! ist der Tag um. Andere wiederum haben einen Widerwillen gegen „Training“. Sie wissen zwar, dass sie es durchziehen sollten, doch ihr innerer Schweinehund sorgt immer wieder dafür, dass sie das Training vergessen oder stattdessen „mal schnell noch“ etwas anderes tun. Und schon ist Zu-Bett-geh-Zeit. Und wieder andere führen die Übungen nicht korrekt durch, zum Beispiel weil sie sich nur eine unzureichende Anleitung aus dem Internet runter geladen haben. Für all diese Menschen ist ein Trainingsgerät wie das von INNOVO® viel einfacher und praktischer, weil sie nichts weiter tun müssen, als es fünfmal die Woche für eine halbe Stunde anzuwenden. Und das Gute ist, dass man auch eine bequeme Hose darüber ziehen und während der Muskelstimulation andere Aufgaben erledigen kann.

 

  1. Auch die Menopause kann das Lustempfinden und das Sexualleben beeinträchtigen. Welche Tipps haben Sie hierfür?

Da dies ein sehr vielfältiges und komplexes Thema ist, kann ich nur ein paar wichtige Punkte herausgreifen und vereinfacht darstellen.

Menopause bedeutet ja, dass die Eierstöcke ihre Tätigkeit ganz oder fast vollständig eingestellt haben und im Körper viel weniger Geschlechtshormone produziert werden als in jungen Jahren. Das betrifft nicht nur die Östrogene und Gestagene, sondern auch männliche Hormone. Richtig: Im weiblichen Körper gibt es auch männliche Hormone, wenn auch in deutlich geringerer Menge als bei Männern.

Grob gesagt: Fehlen die Östrogene:

  • wird bei der Frau die Haut dünner - auch die der Scheide, die zudem weniger gleitfähig ist. Die Stöße des Mannes beim Sex können weh tun;
  • lassen Dicke und Spannkraft des Bindegewebes nach (auch im Beckenboden! Dies ist der Hauptgrund, warum so viele Frauen in der Menopause eine Blasenschwäche entwickeln);
  • lässt ihre Vitalität nach. Sie fühlt sich öfter schlapp und müde;
  • lässt das Immunsystem nach. Sie wird öfter krank;
  • sind viele Frauen seelisch unausgeglichen und neigen zu gereizten oder depressiven Stimmungen.

Fehlt das Testosteron, mangelt es an Libido und an Kraft. Wie stark die einzelnen Hormone jedoch zurückgehen, ist von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. Manche haben noch genug Östrogene, aber zu wenig Testosteron. Das heißt: Rein körperlich ginge der Sex noch gut, aber die Lust ist nicht vorhanden. Bei anderen wiederum ist noch viel Testosteron da, aber viel zu wenig Östrogen. Diese Frauen haben zwar Lust, aber der Körper spielt nicht so mit und die Laune oft auch nicht. Daher: Wenn eine Frau solche oder ähnliche Beeinträchtigungen feststellt, ist es eine gute Idee, beim Frauenarzt oder Endokrinologen einen Hormonstatus machen zu lassen und sich dann mit dem Arzt über Maßnahmen zu besprechen. Das muss nicht zwingend eine Hormonersatztherapie sein.

Auch Übergewicht, Rauchen, Alkohol, hoher Stress, Bewegungsmangel oder auch zu viel Sport können empfindlich in das komplizierte System unseres Hormonhaushalts eingreifen! Wenn Frauen es aus eigener Kraft nicht schaffen, die für sie zutreffenden Faktoren zu minimieren, schafft es vielleicht der Arzt durch Zuspruch und Hilfsangebote. Darüber hinaus bieten sehr viele Krankenkassen ebenfalls nützliche Hilfsangebote, wie Kurse in Ernährung und Bewegungsformen, Raucherentwöhnung, Anti-Stress-Programme usw..

Kurz gesagt: Je gesünder man lebt, umso besser kann der Körper eine Balance finden und desto weniger können die Wechseljahre oder die Menopause Einfluss nehmen.

Bei Mangel an Scheidenflüssigkeit hilft ein Gleitgel (für menopausale Frauen sind Gleitgele auf Silikonbasis besser als die auf Wasserbasis). Und für die nachlassende Spannkraft des Beckenbodens hilft, wie erwähnt, gezielte Muskelstimulation.

 

 

Beatrice Poschenrieder ist Beraterin und Therapeutin für Partnerschaft und Sexualität und Autorin. Sie schrieb bereits neun Ratgeber zu diesen Themen und betreibt nebenbei seit 1999 eine große Online-Beratung, wo sie bisher rund 18.000 Emails erhalten und 15.000 beantwortet hat - sodass sie einen umfassenden Überblick hat, wo es in Liebe & Sex am häufigsten hakt.

Ihre Webseiten: www.frag-beatrice.de, www.liebesberaterin.de und www.tippsfuersingles.de

© Beatrice Poschenrieder